Containern in Halle

Das Phänomen kennt man ja, und ich bin durchaus dafür dies zu legitimieren – aber ich hatte keine Ahnung, das so viele Menschen darauf angewiesen sind.
Kürzlich habe ich gelesen, in Frankreich werden Supermärkte mittlerweile verpflichtet, solche Lebensmittel abzugeben bzw. zur Verfügung zu stellen.
Das sollte EU weit zur Verpflichtung werden …

13.02.2016

Viele Studenten wühlen in Mülltonnen nach Lebensmitteln

Von NICOLAS OTTERSBACH UND CAMILLA VON LOEPER

Sie bekommt Bafög, hat nicht viel zum Leben und spart durch das Mülltauchen jede Woche 30 Euro. Die junge Frau will nicht erkannt werden. In der Öffentlichkeit ist Containern nicht nur verpönt, es ist illegal. Laut Gesetz gilt es als Diebstahl und Hausfriedensbruch, wenn jemand Müll klaut. Allerdings streiten Experten darüber. Die einen meinen, dass der Müll entweder demjenigen gehört, der ihn weggeworfen hat. Oder der Abfallwirtschaft. Die anderen vertreten die Ansicht, dass der Supermarkt offiziell seinen Besitzanspruch aufgegeben hat, wenn er die Lebensmittel in die Mülltonne wirft. Diebstahl von Waren mit „geringem bis nicht vorhandenem Warenwert“ wird nach Paragraf 248 des Strafgesetzbuches auch nur auf Antrag verfolgt.
Märkte schließen Mülltonnen ab

Normalerweise führt der Antrag lediglich dazu, dass das Verfahren schnell eingestellt wird – zumindest so lange die Mülltonnen einfach nur geöffnet und keine Schlösser oder Absperrvorrichtungen beschädigt werden. „Leider schließen immer mehr Supermärkte ihre Mülltonnen ab, beim Edeka an der Merseburger Straße ist das jetzt so“, erzählt eine der Studentinnen. Das ärgert die Mülltaucher nicht nur, weil sie weniger Ertrag haben. Sondern vielmehr, weil Lebensmittel verschwendet würden.

Edeka-Sprecherin Marlies Poppe begründet die neuen Gitterkäfige mit dem Schutz vor Vandalismus. „Des Weiteren wurden Schadstoffe illegal in den Containern entsorgt“, sagt sie. Der Leiter einer halleschen Aldi-Filiale befürchtet sogar juristische Konsequenzen, falls jemand durch die den Verzehr des „Mülls“ erkrankt. Er weiß aber auch um die Müllproblematik. „Nicht alles, was wir wegschmeißen, ist ungenießbar“, erklärt er. Aber es dürfe wegen Hygienevorschriften auch nicht mehr in den Verkauf gelangen. Selbst an die Tafeln können Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, nicht mehr verschenkt werden. So landen in Deutschland jährlich mehr als 80 Kilogramm Nahrung pro Einwohner in der Tonne.

Die Franzosen sind da einen Schritt weiter: Dort dürfen ab sofort Lebensmittel, die im Supermarkt nicht verkauft wurden, nicht mehr weggeworfen werden. Produkte, bei denen das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, müssen den Tafeln, den Tierheimen als Futter oder der Landwirtschaft als Kompost zur Verfügung gestellt werden. Sonst drohen hohe Bußgelder. (mz)

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung