Fälschungen der Geschichte I

Die Konstantinische Schenkung

Im 4. Jahrhundert verlegte der römische Kaiser Konstantin die Hauptstadt seines Reiches von Rom ins östliche Konstantinopel. Die Konstantinische Schenkung besagt, dass er dabei seine Vollmachten im Westen an die Päpste übertragen habe. Im Streit mit anderen weltlichen oder geistlichen Machthabern belegte die Kirche ihre Ansprüche immer wieder mit diesem Dokument. Demnach war der Papst ein Nachfolger der Kaiser auf dem römischen Thron.

Doch bereits im Mittelalter wurden Bedenken laut, dass es sich bei dem Dokument um Betrug handeln könnte. Im 15. Jahrhundert erklärte Bischof Nikolaus von Kues, dass es sich bei der Konstantinischen Schenkung um eine Fälschung handele. Die Fürsprache des Klerikers nutzte nicht viel: Die Kirche hielt weiterhin an der Urkunde fest und sicherte sich damit weiterhin Ansprüche. Im 19. Jahrhundert war es wiederum ein Theologe, der belegte, dass das Dokument ein Machwerk späterer Zeit war. Der Argumentation von Ignaz von Döllinger konnte sich die Kirche letztlich nicht mehr verschließen.

Quelle: Focus online