Kinderbetreuung aktuell

Doch nicht alles in Butter, oder?

Kinderbetreuung 
Neustart ohne Enthusiasmus

sylke kaufhold

Ab Donnerstag, 01.08.2013 haben alle Kinder Anspruch auf einen Ganztagsplatz in einer Kita. Das Gesetz lässt immer noch viele Fragen offen, auch bei der Finanzierung.

Ab Donnerstag, 01.08.2013 haben alle Kinder in Sachsen-Anhalt, Anspruch auf den ganztägigen Besuch einer Kindereinrichtung. Auch, wenn ihre Eltern arbeitslos sind. Die Einführung des neuen Kinderförderungsgesetzes bringt für die Einrichtungen und Erzieherinnen, für die Eltern, die Träger der Einrichtungen und die Kommunen viele Veränderungen. Doreen Rach, Betriebsleiterin des Dekita-Eigenbetriebes zieht kurz vor dem Startschuss ein Resümee der Vorbereitungen.

Auf welche Veränderungen haben sich Eltern ab 1. August einzustellen?

Die gravierendste sind die erhöhten Elternbeiträge, die für alle Stundenstaffelungen um fünf Prozent angehoben wurden. Auch die Splittung der Betreuungszeiten wurde erhöht, die Eltern haben jetzt eine größere Wahlmöglichkeit. Zudem können Kinder von arbeitslosen Eltern die Kita jetzt länger als fünf Stunden besuchen.

Wie viele Alg II-Empfänger werden den Ganztagsplatz in Anspruch nehmen?

Bisher haben in den Dekita-Einrichtungen 213 einen höheren Betreuungsbedarf als fünf Stunden angemeldet. Das sind mehr als die Hälfte.

Laut Nutzungssatzung wird von Alg II-Empfängern ein Nachweis der Betreuungsnotwendigkeit gefordert. Sie haben doch aber einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz.

„Diesen Nachweis fordern wir nur, wenn die Eltern nicht erwerbstätig sind und das Kind mehr als acht Stunden betreut werden soll“, stellt Doreen Rach klar. Dabei gehe es zum einen um das Wohl des Kindes und zum anderen auch um die Kostenfrage. Denn was über den vom Land festgelegten Ganztagsplatz hinaus geht, müssen die Träger bzw. die Kommune finanzieren. Eine Nachweispflicht der Notwendigkeit hat Dekita auch bei Einrichtungen, die besonders nachgefragt sind und für die es ein Prioritätensystem gibt.

Gibt es Veränderungen in der gewünschten Betreuungszeit?

Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es danach aus, dass die Nachfrage nach einer Betreuungszeit über zehn Stunden im Kindergarten sehr groß ist. Mehr als Verwaltung und Dekita das erwartet haben.

In der Krippe scheinen es weniger Kinder zu werden, die mehr als sieben oder acht Stunden betreut werden. Die Aussagen stützen sich auf eine Umfrage von Dekita unter den Eltern, die Ende Juni abgeschlossen war. Die neuen Kostenbeiträge waren da noch nicht beschlossen. „Deshalb gewähren wir den Eltern im August die Möglichkeit, die Betreuungszeit noch einmal zu ändern“, erörtert die Betriebsleiterin. Ansonsten beträgt die Frist in der Regel drei Monate.

Das Gesetz und damit auch die Nutzungssatzung der Stadt sehen eine mehr als 10-stündige Betreuung gar nicht vor. Was machen die Eltern, die beispielsweise aufgrund eines langen Arbeitsweges diese aber brauchen?

Hier suchen wir zunächst Einzelfalllösungen und müssen mittelfristig eine finanzielle und personelle Lösung für die Stadt finden. Die Nutzungssatzung ist ja nur für ein Jahr befristet, in dieser Zeit muss das passieren.

Es werden nachmittags mehr Kinder in den Kindergärten sein. Gibt es auch mehr Erzieherinnen?

Der Dekita-Eigenbetrieb fängt den Mehrbedarf durch eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit der vorhandenen Erzieherinnen auf. Neueinstellungen gibt es nicht.

Dessau-Roßlau hat den Ganztagsanspruch auf acht Stunden festgelegt. Das Land ist da weniger konkret, spricht von bis zu zehn Stunden.

„Das ist einer von vielen Punkten im Gesetz, die unkonkret und ungeklärt sind und für Klagen sorgen dürften“, schätzt Rach ein. Es sei zu vieles Auslegungssache. Zur Frage des Ganztagsanspruchs gebe es beispielsweise schon unterschiedliche Rechtsmeinungen, innerhalb des Landes. Ein Knackpunkt seien auch die Öffnungs- und Schließzeiten, die jetzt von den Kuratorien festgelegt werden sollen. „Was aber passiert, wenn sich diese mal nicht einig werden?“

Das neue Kinderförderungsgesetz sollte auch bessere Bedingungen für die Erzieherinnen, und damit letztlich für die Kinder bringen. Wie sieht es damit aus?

Bisher hat sich da noch nichts geändert, der Betreuungsschlüssel liegt in der Krippe immer noch bei 1:8 und im Kindergarten bei 1:18. „Ärgerlich ist, dass einige der Zugeständnisse und angekündigten Verbesserungen heimlich still und leise zurückgenommen wurden“, findet Rach. So müssten jetzt beispielsweise Zeiten für Elterngespräche, Vor- und Nachbereitung, Urlaubs-und Krankheit oder die Sprachstandsfeststellung innerhalb des Mindestbetreuungsschlüssels abgedeckt werden. Die versprochenen Extra-Stunden sind weggefallen. „Die hohen Erwartungen haben sich für das Personal nicht erfüllt, entsprechend schlecht ist die Stimmung.“

Wie sieht sich Dekita insgesamt für die Zeit ab dem 1. August gerüstet?

„Wir haben mit den Risiken kalkuliert und sind gut vorbereitet. Bestellungen für zusätzlich benötigtes Mobiliar wie Schlafliegen haben wir ausgelöst. Ich denke, dass wir an alles gedacht haben.“

Dessau-Roßlau hat die Nutzungssatzung auf ein Jahr begrenzt. Warum?

Die Stadt will die Zeit nutzen, um Erfahrungen zu sammeln, genaue Kostenanalysen zu erstellen, nachzukalkulieren. Auch die Platzkosten bei den freien Trägern sollen auf den Prüfstand. Bestehende Lücken in der Nutzungssatzung, wie die 11. Stunde oder die Festlegung von Kernzeiten, sollen dann geschlossen werden.

http://mobil.mz-web.de/mz/dessau-rosslau/kinderbetreuung–neustart-ohne-enthusiasmus,20880916,23869722,view,asFitMl.html

2 Kommentare zu „Kinderbetreuung aktuell

    1. Stimmt, versprechen geht schneller …

      Alles Liebe, Axel

      (Ich hoffe der Kommentar kommt an – auch wenn blog.de mal wieder nur mit „Oops“ antwortet …)

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